"Jetzt will ich bei meiner Ausbildung richtig Gas geben"

Das Team Arbeit & Ausbildung des Arbeitskreises Asyl Griesheim unterstützt Flüchtlinge bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

 

(AKA/CWM) So wie Samira, 27, die den Hauptschulabschluss macht und dann eine Ausbildungsstelle als Altenpflegerin sucht oder Eza, 26, der nach einem halben Jahr Berufsorientierung Elektroniker werden möchte. Ihnen und anderen in Griesheim lebenden Flüchtlingen möchte das Team Arbeit & Ausbildung Orientierung im Integrations-Dschungel geben. Denn Deutschland ist (Aus)Bildungsland und im Ausland hoch gelobt für sein duales System der beruflichen Ausbildung neben dem akademischen Weg. Umso höher ist daher der Stellenwert einer abgeschlossenen Lehre bzw. eines Studiums – allerdings ist der Weg dahin für die Geflüchteten schwer.

 

Deswegen hilft das kleine Team Arbeit & Ausbildung dabei, in der Vielzahl der existierenden Integrationsprogramme in den Arbeitsmarkt das Richtige zu finden. Die Teammitglieder unterstützen individuell mit Hilfe bei Bewerbungsschreiben, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, Praktika und Jobs, begleiten Flüchtlinge zum Jobcenter und suchen den Kontakt zu Partnern wie zum Beispiel dem BAFF Frauen Kooperationszentrum Darmstadt oder lokalen Altenpflegeschulen.

 

„Eine ganz wichtige Aufgabe des Teams ist die Information über das Ausbildungssystem in Deutschland und den deutschen Arbeitsmarkt“, so Teamsprecherin Andrea Struth. „Dazu haben wir im März zwei Veranstaltungen gemacht – eine davon in Kooperation mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit – bei denen wir vermitteln wollten, dass es zum Beispiel für einen KFZ-Mechatroniker in Deutschland nicht reicht, bei Verwandten in der Werkstatt mitgearbeitet zu haben, dass der Hauptschulabschluss der Zugangsschlüssel für die Ausbildung ist, zu der neben dem beruflichen Lernen auch die Berufsschule gehört.“ 

 

Erste Erfolge

Das Team sieht sich einer sehr anspruchsvollen Aufgabe gegenüber, es gilt Sprach- und kulturelle Barrieren zu überwinden, zu vermitteln, wie der deutsche Arbeitsalltag läuft, langen Atem zu haben, immer wieder zu motivieren bei Absagen oder Hindernissen. Dabei helfen positive Vorbilder.

 

Zum Beispiel Samira, dreifache Mutter aus Somalia, die bei der BAFF den Hauptschulabschluss macht mit dem Berufsziel Altenpflege. Vier bis fünf Stunden jeden Tag dauert der Unterricht in Darmstadt. Die dreieinhalb und ein Jahre alten Kinder werden in der Zeit vom Vater, Samiras Ehemann, betreut.

 

Foto: AKA/Martina Roth

 

 

Der Älteste geht in den Kindergarten und nachmittags mit Begeisterung zum TUS-Fußball-Training. „Er kommt im Sommer in die Friedrich-Ebert-Schule“ sagt Samira „da muss Mama Gas geben, damit ich bei den Hausaufgaben helfen kann. Ich muss viel arbeiten, denn in Somalia war ich nicht viel in der Schule“. Für Hausaufgaben und Nachhilfe bleibt nur der Abend, aber das scheint der jungen Frau mit der positiven Ausstrahlung nichts auszumachen. „Mein Lieblingsfach ist Deutsch, ich hoffe, im Dezember mit der Schule fertig zu sein und habe schon beim Haus Waldeck nach einem Praktikumsplatz gefragt. Einen Führerschein mache ich auch, die theoretische Prüfung ist schon bestanden“. 

Oder Eza aus Afghanistan, der an dem Programm „Wirtschaft integriert“ des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung teilgenommen hat und nun einen Ausbildungsplatz als Elektroniker sucht. Eza ist seit 15 Monaten in Deutschland und nicht glücklich mit der Untätigkeit. „Ich habe in Afghanistan immer gearbeitet, ganz früh vor der Schule habe ich geholfen, Melonen zu verladen und nach dem Unterricht ging’s meistens noch mit einem anderen Job weiter.“ „Die fünf Monate Berufsorientierung haben sehr geholfen um herauszufinden, was zu mir passt“, sagt Eza „und jetzt möchte ich unbedingt zum Herbst mit einer Ausbildung beginnen“.

 

Herzenswunsch Ausbildungsplatz: Eza aus Afghanistan hat an dem Programm „Wirtschaft integriert“ teilgenommen und sucht nun einen Ausbildungsplatz als Elektroniker.

Foto: AKA/Martina Roth

 

Warum beide so gut Deutsch sprechen? „Ich habe selbst viel erarbeitet“, sagt Eza „und viel Unterstützung durch die Kurse der ehrenamtlich Unterrichtenden aus dem Arbeitskreis bekommen“. Dem schließt sich Samira an: „Viele Kurse, Samstag ins SprachCafé und viel mit Leuten reden. Das hat mir geholfen“ sagt sie. 

Das Team Arbeit & Ausbildung freut sich über neue Teammitglieder, die an einer Mitarbeit in diesem Bereich interessiert sind. Kontakt: andrea.struth@asylgriesheim.de

 

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